Schwarze Aussichten für den Weißen Storch in Mecklenburg – Vorpommern

 

Weniger als 700 Brutpaare im einstigen Storchenland Nummer 1

 

Pressemitteilung der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im NABU

 

Nur noch 699 Brutpaare registrierten die Mitglieder der NABU-Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im Jahr 2017 in Mecklenburg-Vorpommern. Wiederum ist eine Abnahme der Störche gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen, denn 2015 waren es noch fast 100 Paare mehr. Nie zuvor hat es in unserem Bundesland so wenige Brutstörche gegeben – in vielen Dörfern ist der Weißstorch verschwunden. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigt aber besonders der langjährige Vergleich: 2004 gab es noch 1142 Storchenpaare, 1994 sogar noch 1237 Paare.

 

Besonders beunruhigend sind aber auch die genaueren Bestandsparameter des Storchenjahres 2017. Von den 699 Brutpaaren hatten 279 keinen Bruterfolg, das sind genau 40 % aller Paare, im Landkreis Ludwigslust-Parchim blieb sogar jedes 2. Nest ohne Nachwuchs. Schon ab 25 % jungenloser Paare sprechen Storchenexperten von Störungsjahren. Das Storchenjahr 2017 war also ein extremes Störungsjahr. Nur 992 Storchenjunge wuchsen auf den Nestern auf, noch einmal im Vergleich dazu waren es im Jahr 1994 noch 2549 Junge. 699 Brutpaare mit nur 992 Jungen, das ergibt einen Reproduktionswert von 1,42 Jungstorch pro Nest. Zum Erhalt einer Population sind aber mindestens 2 Junge erforderlich. Lediglich 2008 erreichten wir einen solchen Wert. In allen anderen Jahren seitdem lag der Wert bedeutend niedriger.

 

Mit großer Sorge sehen die Mitglieder der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz daher einen extrem schlechten Erhaltungszustand der Weißstorchpopulation im Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2017 hat es witterungsbedingte Jungenverluste durch Dauerregen gegeben, diese waren jedoch nur lokal begrenzt und taugen nicht als Erklärung für den stark negativen Entwicklungstrend beim Weißstorch. Die Störche finden einfach nicht mehr genug Nahrung im Revier um ihr Nest. Allzu oft wird Dauergrünland in artenarmes Saatgrasland umgewandelt. Darin findet der Storch und mit ihm viele andere Wiesenvögel nicht mehr genug Nahrung, ganz zu schweigen von den Mais- und Rapskulturen. Es wird also eng für den Weißstorch und die anderen Feld- und Wiesenvögel.

 

Seit mehreren Jahren bringen wir unsere berechtigte Sorge über diese Entwicklung im Landwirtschaftsministerium als auch beim Bauernverband vor, leider ohne greifbare Erfolge. Ziel unserer Bemühungen ist die Verbesserung der Lebens- und vor allem Nahrungsbedingungen für den Storch. Wir fordern ein landesweites Storchenschutzprogramm. Schon lange reicht es nicht mehr aus, immer neue Nisthilfen für Adebar zu errichten. Vielmehr sollte es darum gehen, qualitativ hochwertiges Feuchtgrünland zu erhalten oder zu schaffen, wasserführende Landschaftselemente neu herzustellen oder zu pflegen, Blühstreifen zu etablieren und vieles mehr.

 

Es muss uns gelingen, den Negativtrend für den Weißstorch und die vielen anderen bestandsbedrohten Vogelarten zu beenden. Der Weißstorch muss Charaktervogel unserer mecklenburgisch-vorpommerschen Heimat bleiben. Diese Verantwortung haben wir!

 

 

Helmut Eggers, 28.11.2017

 

 

 

Neuer historischer Tiefststand 2017

 

Seit wenigen Tagen liegen die Zahlen für 2017 vor: Der Brutbestand des Weißstorchs in Mecklenburg-Vorpommern hat sich gegenüber 2016 nochmals um 18 Horstpaare auf jetzt nur noch 706 verringert. Dies ist ein neuer historischer Tiefststand! Gleichzeitig wurden auch nur 1001 Jungstörche flügge - das zweitschlechteste Ergebnis seit Beginn der Erfassungen vor über 100 Jahren. Zudem blieben wie im Vorjahr 40 Prozent aller Weißstörche ohne Bruterfolg und der JZa-Wert für den durchschnittlichen Bruterfolg pro Horstpaar war mit 1,42 ebenfalls sehr schlecht. 

Eine ausführliche Wertung durch den Vorsitzenden der LAG Weißstorch, Helmut Eggers, folgt in Kürze.

 

S. Kroll, 15.11.2017

West-Ost-Gefälle?

Inzwischen liegen aus verschiedenen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns erste Informationen zur Entwicklung der Horstpaarzahl und zu den geschlüpften Küken vor. Danach scheint sich ein West-Ost-Gefälle abzuzeichnen. Während der alte Landkreis Ludwigslust ein Plus von 4 Horstpaaren meldet, sind es in den Altkreisen Bad Doberan (-8), Ribnitz-Damgarten (-5) und auch Güstrow weniger Paare als im Vorjahr. Ein Rückgang wird auch aus dem Raum Greifswald gemeldet, während die Insel Rügen zwei Paare mehr als im Vorjahr aufweisen dürfte. Die frühen Horstpaare haben an der Elbe überdurchschnittlich viele Junge in ihren Nestern, generell scheint es in dieser Hinsicht bis jetzt in Mecklenburg recht gut auszusehen. Dagegen fällt Vorpommern offenbar ab. Hier hat es zuletzt auch deutlich weniger geregenet. Genauere Zahlen werden erst in etwa vier Wochen, nach Abschluss der Jungstorch-Beringung, zu erwarten sein.

 

S. Kroll, 7.6.2017

Erneut droht ein schlechtes Storchenjahr

 

Nachdem wir mittlerweile Ende April erreicht haben, sind die bisher gemeldeten Rückkehrerzahlen alles andere als ermutigend. Momentan dürften noch deutlich weniger Störche an ihre Nester zurückgekehrt sein als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, dem in MV bisher schlechtesten Storchenjahr überhaupt. Zwar kehrte annähernd die Hälfte der im Vorjahr gezählten Störche bis etwa 10. April und damit früh an ihre Brutplätze zurück. Seitdem aber gibt es eine ausgeprägte Stockung - es kamen bisher nur wenige weitere Störche zurück. Dafür könnten mehrere Gründe eine Rolle spielen:

- Probleme auf der letzten Etappe des Heimzugs - über Mittel- und Osteuropa waren die Zugbedingungen in den letzten zwei bis drei Wochen ausgesprochen ungünstig mit häufig starkem Gegenwind, anhaltendem Tiefdruckeinfluss und ungewöhnlich späten Schneefällen, z. B. noch vergangene Woche 40 Zentimeter Neuschnee in Südpolen

- Seit Januar große Dürre in den wichtigsten ostafrikanischen Überwinterungsgebieten der Weißstörche mit der möglichen Folge schlecht ernährter oder sehr spät aufbrechender Störche; ebenso denkbar: ein verstärktes Ausweichen nach Südafrika mit entsprechend längerem Zugweg

- die bei uns sehr schlechten Nahrungsbedingungen des Vorjahres könnten junge Störche ohne Horstbindung veranlasst haben, sich andernorts einen ersten Brutplatz zu suchen.

In den nächsten 14 Tagen wird sich entscheiden, ob der Abwärtstrend der beiden letzten Jahre eine weitere Fortsetzung findet - zu befürchten ist es!

 

S. Kroll, 26.4.2017

Erste Welle der Ostzieher ist da - kein massenhafter Einflug

 

In den letzten Tagen ist die erste Welle an Ostziehern eingetroffen. Die bisherigen Rückmeldungen und intensive Beobachtungen deuten darauf hin, dass es sich auch in diesem Jahr um keinen massenhaften Einflug wie zuletzt 2010 und 2014 handelt. Damals war bereits am 31. März mehr als die Hälfte aller Brutstörche an ihren Nestern eingetroffen. Immerhin: im Vergleich zu den beiden letzten Jahren liegt die Anzahl der sehr frühen Rückkehrer deutlich höher.

 

S. Kroll, 3.4.2017

Die ersten Störche sind zurück!

 

In diesen Tagen sind die ersten Weißstörche aus ihren Winterquartieren nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgekehrt. Den ersten Heimkehrer in Mecklenburg entdeckte Steffen Hollerbach von der Storkfoundation am Dienstag auf seinem angestammten Nest in Gothmann bei Boizenburg. Fast zeitgleich beobachtete Günter Nowald, Leiter des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf, den ersten vorpommerschen „Adebar“ in Prohn bei Stralsund. Sehr wahrscheinlich haben beide Störche die kalte Jahreszeit in Frankreich oder Spanien verbracht. Am Mittwoch kehrte auch die bekannte Störchin mit dem Ring A277 nach Langenhanshagen bei Ribnitz-Damgarten zurück. Von ihr weiß man, dass sie sich den Winter über in Nordrhein-Westfalen aufgehalten hat. Der Großteil der nordostdeutschen Weißstörche überwintert allerdings in Afrika und wird erst ab Ende März zurückerwartet. Auf die neue Storchensaison blicken die Storchenfreunde im Land mit großer Sorge – 2016 wurden in Mecklenburg-Vorpommern mit 724 so wenige Weißstorchpaare gezählt wie nie zuvor. Auch der Bruterfolg war zuletzt außerordentlich schlecht. Die NABU-Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz setzt sich seit Jahren dafür ein, die Lebensbedingungen für die beliebten Großvögel im Land zu verbessern.

 

Pressemitteilung LAG Weißstorchschutz, 24.2.2017

 

11. Landesstorchentag MV

 

Am 11. März 2017 findet im Karower Meiler der 11. Landesstorchentag Mecklenburg-Vorpommern statt. Einladung und Programm finden Sie hier.

 

Der Vorstand, 19.1.2017

Presseerklärung der NABU-LAG Weißstorschutz

 

Störche in Mecklenburg – Vorpommern im starken Sinkflug

 

So wenig Störche gab es in Mecklenburg-Vorpommern noch nie!

Die Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz legt jetzt die Bestandszahlen für das Storchenjahr 2016 vor. Demnach brüteten in diesem Jahr nur noch 721 Storchenpaare in Mecklenburg-Vorpommern. Noch in den 80iger Jahren war das Gebiet des jetzigen Bundesland MV unangefochten an erster Stelle in der Storchenstatistik Deutschlands, 1983 brüteten hier immerhin 1281 Paare. Mehr als jedes vierte Storchennest Deutschlands befand sich in Mecklenburg-Vorpommern. Mitte der 90iger Jahre übernahm dann Brandenburg die Führungsposition. Inzwischen gibt es in Brandenburg über 500 Paare mehr als in Mecklenburg.

Während im einstigen Storchenland Mecklenburg-Vorpommern immer mehr Nester verwaisen, steigen in anderen Bundesländern die Bestände deutlich an. Sowohl in Niedersachsen mit 820 Brutpaaren als auch Baden-Württemberg mit etwa 800 Brutpaaren hat nun mehr Störche als Mecklenburg-Vorpommern.

Die anhaltende Abnahme der Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern zeigen einen schlechten Erhaltungszustand der Storchenpopulation an. Noch im Jahr 2014 waren es 860 Storchenpaare im Bundesland, nun also nur noch 721 Paare. Jedes 6. Nest in Mecklenburg-Vorpommern blieb innerhalb dieser 2 Jahre leer. Von den 721 Brutpaaren des aktuellen Jahres hatten 293 Paare keinen Bruterfolg, das sind mehr als 40% der Brutpaare. Es wuchsen nur 862 Jungstörche auf den Nestern auf, auch so wenig wie nie zuvor. Im Jahr 2008 waren es mit 1757 Jungen mehr als doppelt so viele, 2004 sogar 2427, also fast das Dreifache! Die Storchenschützer im Lande konstatieren eine erschreckende Bilanz!

Worin liegen die Gründe für diesen drastischen Rückgang? Dass das Jahr 2016 durch eine späte Ankunft der Störche nicht so gut abschneiden würde, war zu erwarten, erklärt jedoch nicht die jetzige Situation. Grundsätzlich geht es dem Storch überall dort gut, wo er genügend Nahrung für die Aufzucht des Nachwuchses findet. Das scheint hier offensichtlich nicht mehr der Fall zu sein. Aus der Erfahrung der Betreuer lassen sich viele Beispiele benennen, wo durch das Verschwinden von Nahrungsflächen auch das Verschwinden des Storches registriert werden kann. Feuchtes artenreiches Dauergrünland weicht immer mehr artenarmen Feldkulturen, wie beispielsweise Mais-Monokulturen, die dem Storch nichts zu bieten haben.

Seit mehreren Jahren ist die Landearbeitsgruppe Weißstorchschutz mit dem Landwirtschaftsministerium und den entsprechenden Behörden, aber auch mit den Landwirten im Gespräch. Bis auf gutmeinende Absichtserklärungen ist aber bisher sehr wenig passiert. Ein von uns gefordertes Storchenschutzprogramm, das in anderen Bundesländern schon seit vielen Jahren praktiziert wird, konnte in Mecklenburg-Vorpommern nicht etabliert werden. Angesichts der dramatischen Entwicklung möchten wir die neue Landesregierung dringend auffordern, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die zur Stabilisierung der Storchenpopulation führen.

Der Storch genießt in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, überall werden Nisthilfen zur Ansiedlung angeboten. Wenn es uns aber nicht gelingt, die Nahrungsgrundlage des Storches und übrigens auch vieler anderer Feld- und Wiesenvögel zu verbessern, wird dieser im einstigen Storchenland Mecklenburg-Vorpommern keine Perspektive haben. Der Werbeslogan „Mecklenburg-Vorpommern – Land zum Leben“ muss auch für Störche gelten.

 

Helmut Eggers

Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im NABU

24.11.2016

2016 in MV voraussichtlich ein sehr schlechtes Storchenjahr

 

Auch wenn endgültige Zahlen aus allen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns erst im Herbst vorliegen werden, ist schon jetzt klar erkennbar, dass 2016 ein landesweit sehr schlechtes Storchenjahr sein wird. Darauf deuten die Ergebnisse der inzwischen abgeschlossenen Jungstorchberingungen in verschiedenen Teilen des Landes hin. Wir rechnen mit einem weiteren Bestandsrückgang bei den Horstpaaren, möglicherweise wird der historische Tiefststand von 770 Paaren aus dem Jahr 2009 noch unterschritten. Darüber hinaus wird auch das Nachwuchsergebnis sehr schwach ausfallen. Ursache sind zum einen eine vielfach verspätete Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten. Dadurch schritten viele Paare gar nicht mehr zur Brut. Außerdem gab es durch die Spätrückkehrer verursacht ungewöhnlich häufig Horstkämpfe - mit Gelege- und Jungenverlusten. Zum anderen fielen im gesamten Mai sowie in der ersten Hälfte des Monats Juni in weiten Teilen des Landes nur sehr geringe Niederschlagsmengen. Die Folge waren große Nahrungsengpässe, da Regenwürmer und andere kleinteilige Nahrungstiere für die frisch geschlüpften Küken kaum noch zu erbeuten waren. Als Konsequenz daraus verhungerten viele Jungstörche. Vor diesem Hintergrund sind zahlreiche Horstpaare in diesem Jahr ohne Bruterfolg geblieben.

 

S. Kroll, 18.7.16

 

Ähnlich verzögerte Rückkehr der Störche wie 2015

 

Nachdem wir inzwischen auf Ende April zusteuern, lassen sich schon erste, halbwegs sichere Aussagen zur Rückkehr der Störche in ihr Brutgebiet treffen. Umfragen in verschiedenen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns haben ergeben, dass es auch in diesem Jahr eine recht schleppende, insgesamt verzögerte Rückkehr gibt. Je nach Region dürften bisher erst etwa 55 bis 80 Prozent des Vorjahresbestandes an den Nestern eingetroffen sein. Wir rechnen mit Spätheimkehrern noch bis weit in den Mai hinein. Diese haben jedoch zumeist nur wenig oder gar keinen Bruterfolg mehr.

 

S. Kroll, 26.4.16

Ostziehende Störche treffen ein

 

Seit wenigen Tagen treffen jetzt auch in größerer Anzahl die ersten ostziehenden Störche ein. Die Zugbedingungen über Ost- und Mitteleuropa waren zuletzt besser als 2015, aber nicht so günstig wie 2014. Bisher sieht es nach einer "normalen" Rückkehr, weder besonders früh noch besonders spät, aus.

 

S. Kroll, 5.4.16

Erster Storch in Mecklenburg-Vorpommern eingetroffen

 

Wie schon in den vergangenen Jahren, ist das Storchennest in Belitz (Altkreis Teterow) wieder als erstes in Mecklenburg-Vorpommern besetzt worden. Storchenbetreuer Wolfgang Schmidt meldete die Rückkehr des ersten Adebars 2016 am 10. Februar.

 

S. Kroll, 12.2.16

Presseerklärung der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz Mecklenburg-Vorpommern im NABU

 

Storchenbestand in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2015

weiterhin besorgniserregend

 

Die Mitglieder der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz legen ihre Zählergebnisse für das Storchenjahr 2015 vor. Schon seit vielen Jahren wird der Storchenbestand in unserem Bundesland flächendeckend ehrenamtlich erfasst. Die Entwicklung des Storchenbestandes in Mecklenburg-Vorpommern  lässt sich daher sehr konkret und detailliert belegen.

Während das Land Mecklenburg-Vorpommern lange Zeit das storchenreichsten Land war, ist diese Favoritenrolle inzwischen an Brandenburg abgegeben.

Das Ergebnis im Jahr 2015 konkret: Die Betreuer in den einzelnen Landkreisen konnten in diesem Jahr exakt 800 besetzte Storchennester erfassen. Das sind 64 Storchenpaare weniger als 2014. Vergleichen wir die Zahl der Jungstörche, die in diesem Jahr auf den Nestern aufwuchsen, dann waren es im Jahr 2014 noch  1.534 Junge, in diesem Jahr aber nur 1216. Von den 800 Brutpaaren blieben 265 Paare ohne Nachwuchs, also jedes dritte Paar hatte keinen Bruterfolg. Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass im landesweiten Durchschnitt nur 1,52 Junge pro Nest ausflogen. Das liegt weit unter dem für die Erhaltung der Storchenpopulation nötigen Reproduktionswert.

Innerhalb unseres Bundeslandes gibt es große Unterschiede in der Storchendichte. Im alten Kreis Nordwestmecklenburg brüten nur 31 Brutpaare, das ergibt 1,49 Storchenpaare auf 100 qkm , die so definierte Storchendichte. Im Kreis Demmin, der flächenmäßig sogar kleiner ist, gab es dagegen immerhin 93 besetzte Storchennester (Storchendichte 4,84 Paare/100qkm). Zwischen diesen beiden Werten liegen alle anderen Landkreise.

Vergleichen wir das aktuelle Ergebnis mit dem des Jahres 2004 so konnten wir damals noch 1142 Brutpaare ermitteln.  2.427 Jungstörche wurden 2004 auf den Nestern unseres Landes flügge, das waren beinahe doppelt so viele als im Jahr 2015. Wir verzeichnen also einen dramatischen Bestandsrückgang in Mecklenburg-Vorpommern.

In vielen Bundesländern Deutschlands gibt es aktuell wieder mehr  Weißstörche als in den Vorjahren. Unser Nachbarland Niedersachsen wird bald mehr Störche beherbergen als Mecklenburg-Vorpommern. Das schlechte Ergebnis der Störche im Jahr 2015 mag durch eine verspätete Ankunft im Frühjahr bedingt sein. Als langfristige Gründe für die negative Entwicklung in unserem Bundesland müssen jedoch andere Faktoren bedeutsam sein. Die weitere Einschränkung der Nahrungsflächen dürfte dabei die größte Rolle spielen. So verschwinden immer noch die für den Storch so wichtigen artenreichen Dauer-grünlandflächen und werden durch Saatgrasland ersetzt. Das Grünlanderhaltungs-gesetz unseres Landes lässt dies zu, obwohl das Ziel dieses Gesetzes ein anderes sein sollte. Die Schlagworte vom Greening in der Landwirtschaft, von Maßnahmen zur Steigerung der Artenvielfalt haben für den Weißstorch als Charaktervogel der mecklenburgisch-vorpommerschen Landschaft bisher keine Erfolge gebracht.

Bezogen auf die Bestandssituation des Weißstorches ist das Land Mecklenburg-Vorpommern mit Abstand das Schlusslicht. Die Mitglieder der Landesarbeitsgruppe sind über diese Situation sehr besorgt und fordern Maßnahmen zur Verbesserung der Bestandssituation des Weißstorches.

 

Helmut Eggers

LAG Weißstorchschutz im NABU, 6.11.2015

Erste Ergebnisse für das Storchenjahr 2015 fallen wie erwartet ungünstig aus

 

Noch liegen nicht aus allen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns die Zahlen der diesjährigen Weißstorch-Bestandserfassung vor. Es ist anhand der vorliegenden Daten aber schon abschätzbar, dass wir mit einem Rückgang der Horstpaarzahl in einer Größenordnung zwischen 5 und 10 Prozent rechnen müssen. Ebenso wird die Anzahl der Jungstörche deutlich unter den Vorjahreswerten liegen. Die endgültigen Zahlen dürften spätestens im November vorliegen.

 

S. Kroll, 6.10.15

2015 wird voraussichtlich kein gutes Storchenjahr

 

Die Rückkehr der Weißstörche über die Ostroute hat sich in diesem Jahr vielfach verzögert. Sehr wahrscheinlich waren dafür in erster Linie schlechte Zugbedingungen verantwortlich. Unter dem Strich dürfte es 2015 landesweit die im Durchschnitt späteste Ankunft in den Brutgebieten seit dem großen Störungsjahr 2005 geben. Während seit Ende April/Anfang Mai bereits etliche Jungstörche geschlüpft sind, treffen selbst erfahrene Brutstörche erst jetzt noch an ihren Nestern ein. Wir erwarten daher in Mecklenburg-Vorpommern 2015 insgesamt einen spürbaren Rückgang der Horstpaarzahl und auch kein gutes Nachwuchs-ergebnis, da deutlich weniger Paare als in den Vorjahren mit der Brut begonnen haben dürften.

 

S. Kroll, 18.5.15

 

 

 

Verzögerte Rückkehr der ostziehenden Weißstörche

 

Aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse über Mittel- und vor allem Osteuropa verzögert sich der Einflug der ostziehenden Weißstörche in diesem Jahr. Bis Ostermontag (6.4.) dürften schätzungsweise erst 15 bis 20 Prozent ihre Horste in Mecklenburg-Vorpommern erreicht haben. Ähnlich war es auch 2013, da gab es dann nach dem 10. April eine große Rückkehrwelle, auf die wir auch in diesem Jahr hoffen. Zumindest ist eine zeitweilige Wetterbesserung auf den Zugwegen in Sicht.

 

S. Kroll, 7.4.15

 

 

Update, 13.4.15: Am 10./11.4. ist eine erste größere Welle Rückkehrer an den Nestern eingetroffen. Landesweit dürfte allerdings immer noch deutlich mehr als die Hälfte der Störche fehlen.

 

 

 

10. Landesstorchentag MV

 

Am Samstag, 28. März 2015, fand der 10. Landesstorchentag MV

in Karow (Karower Meiler) statt.


Zeitungsartikel:

10. Storchentag MV: Adebar kehrt immer früher zurück

Schweriner Volkszeitung, 27.3.2015


Die Präsentationen zu verschiedenen Tagungsbeiträgen werden im Download-Bereich zur Verfügung gestellt.



 

Tagungsprogramm

 

09.30-09.40                  Begrüßung      

H. Eggers        

 

09.40-10.10                  Bestand des Weißstorches in MV 2013-2014

                                          Dr. L. Daubner

 

10.10-10.40                  Statement des Ministers zum Thema Weißstorchschutz

                                   in Mecklenburg-Vorpommern

                                         Minister Dr. T. Backhaus

 

10.40-11.00                  Aktuell: Weißstorch und Vogelgrippe     

                                          Dr. L. Daubner

 

11.00-11.20                  Diskussion / Pause      

                                                                      

11.20-11.40                  Bestand des Weißstorches in Deutschland 2014

                                          Dr. C. Kaatz

 

11.40-12.00                  Weißstorchzensus im gesamten Verbreitungsgebiet 2014 

                                        K. Thomsen

 

12.00-13.00                  M I T T A G S P A U S E

 

13.00-13.20                  Aktuelle Erkenntnisse der Weißstorchberingung

                                         Dr. U. Köppen

 

13.20-13.40                  Ablesungen von Weißstörchen in M-V

                                         Prof. Dr. S. Kroll

 

13.40-13.50                  Einheitliche Kriterien der Weißstorcherfassung in M-V

                                          Prof. Dr. S. Kroll

 

13.50-14.30                  Kurzberichte/Anfragen/Wissenswertes aus den                                    Betreuungsgebieten

                                          alle Betreuer

 

14.30-15.00                  Bericht des Vorstandes

                                           H. Eggers

                                  

                                   Wahl eines neuen Vorstandes

                                          Wahlleiter

 

15.00-15.30                  P A U S E

 

15.30-15.50                  Bestandsentwicklung Schleswig-Holstein

                                         U. Peterson

 

15.50-16.05                  Untersuchungen zur Ankunft der Störche

                                         S. Hollerbach

           

16.05-16.30                  Zugbegleitung auf der Ostroute (Bildpräsentation)

                                        H. Eggers

 

 

 

 

Update I zum Thema Vogelgrippe/Geflügelpest im Zoo Rostock


Ein Zeitungsartikel der Norddeutschen Neuesten Nachrichten fasst die heutigen Neuigkeiten rund um den tragischen Fall von Geflügelpest im Zoo Rostock zusammen.


S. Kroll, 9.1.15


Vogelgrippe/Geflügelpest bei Weißstorch im Zoo Rostock festgestellt

 

Wie der Zoo Rostock und das Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Verbraucherschutz MV heute mitteilten, ist im Rostocker Zoo bei einem Weißstorch "das hochpathogene aviäre Influenzavirus vom Subtyp H5N8 und damit Geflügelpest festgestellt" worden. In der Pressemitteilung des Ministeriums heißt es darüber hinaus: "Alle 12 gehaltenen Weißstörche sind aus Gründen der Seuchenprävention getötet worden bzw. waren bereits verendet."
Dies ist ein sehr bedauernswerter, trauriger, aber sicher auch notwendiger Schritt. Es sind jetzt weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ansteckungsursache nach Möglichkeit zu klären.
Betroffen sind die im Zoo Rostock in Gefangenschaft gehaltenen Weißstörche, viele von ihnen lebten hier aufgrund von Unfällen oder Verletzungen. Sie haben seit mehreren Monaten keinen Kontakt mehr zu den wild lebenden Weißstörchen besessen, die sich seit August/September in ihren afrikanischen bzw. südwesteuropäischen Überwinterungs-gebieten befinden. Der positiv beprobte Storch befand sich seit mehr als 5 Jahren flugunfähig im Zoo Rostock. Bei der Vogelart Weißstorch wurden bisher nur ganz vereinzelt Fälle von Vogelgrippe/Geflügelpest bekannt.

Minister Backhaus stellt in der Pressemitteilung klar: "An der Stelle möchte ich nochmals betonen, dass nach heutigem Kenntnisstand keine Gesundheitsgefahr für den Menschen existiert, doch das Virus für die infizierten Tiere meist tödlich verläuft".

 

Zum Wortlaut der Pressemitteilung

 

S. Kroll, 8.1.15

Landesweites Zählergebnis für 2014 liegt vor

Vor kurzem hat unsere Landesarbeitsgemeinschaft die Zahlen für die Weißstorcherfassung im Zensusjahr 2014 veröffentlicht. Die Anzahl der Brutpaare ist erfreulicherweise leicht angestiegen, um 32 auf 860. Flügge Jungstörche wurden 1.527 gezählt, das ist auf die Zahl der Brutpaare bezogen und im Zehnjahres-Vergleich ein durchschnittliches Ergebnis. Detaillierte Angaben finden sich hier.

Wir wünschen allen Storchenfreunden ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

S. Kroll, 23.12.14

 

 

 

Achtung!

Der 10. Landesstorchentag MV findet am 28.3.2015 im Karower Meiler statt!

Weitere Informationen folgen.

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